Barrierearm wohnen ab 50: Tipps für jeden Raum
Welche Anpassungen in Küche, Bad und Schlafzimmer den Alltag spürbar erleichtern, ohne dass die Wohnung nach Umbau oder Pflege aussieht.
·
·

Direktantwort
Barrierearm wohnen heißt, Möbel so zu planen, dass sie bequem und sicher bedienbar sind, ohne dass die Wohnung nach Krankenzimmer wirkt. Dazu gehören eine an die Körpergröße angepasste Arbeitshöhe, Auszüge statt tiefer Schränke und eine bequeme Betthöhe. Das ist nicht dasselbe wie barrierefrei nach Norm, und es braucht keine Pflegeprodukte. Am wenigsten aufwendig sind diese Entscheidungen, wenn ohnehin geplant oder renoviert wird.
Viele schieben das Thema auf, weil sie Klinikmöbel vor Augen haben. Das ist verständlich und unnötig zugleich. Eine barrierearm geplante Einrichtung ist zunächst einmal eine durchdachte Einrichtung; auffallen soll sie nicht. Der Unterschied zeigt sich erst im Alltag, wenn das Bücken entfällt oder das Aufstehen leichter wird. Dieser Beitrag geht Raum für Raum durch, was tatsächlich hilft und wo unsere Planung endet.
Was heißt barrierearm, und was nicht?
Die Abgrenzung lohnt sich, weil beide Begriffe oft vermischt werden. Barrierefrei ist ein Begriff mit festen Planungsgrundlagen. In Österreich beschreibt sie die ÖNORM B 1600 „Barrierefreies Bauen“, die unter anderem Bewegungsflächen, Türen, Rampen und Kontraste regelt. Wer danach bauen muss, etwa im öffentlichen Bereich, arbeitet mit diesen Normmaßen. Pflegeprodukte wie Pflegebetten gehören nicht zu unserem Programm.
Barrierearm meint etwas anderes und ist für die meisten Haushalte das Relevantere: Möbel so planen, dass sie bequem und sicher zu bedienen sind, ohne Normzwang und ohne Klinikoptik. Das beginnt bei der Höhe und endet beim gut erreichbaren Stauraum.
Der eigentliche Vorteil liegt in der Unauffälligkeit. Im Alltag merkt niemand, dass altersgerecht geplant wurde, es ist einfach bequemer. Und weil vieles davon schlicht gute Ergonomie ist, ist es zunächst eine Frage der Planung: Wer eine Küche neu plant, legt die Arbeitshöhe ohnehin einmal fest. Wird dieselbe Höhe später geändert, sind Korpusse, Arbeitsplatte und der Anschluss an den Fliesenspiegel betroffen.
Wo barrierearm den Alltag erleichtert: der Überblick
Die wirksamsten Maßnahmen verteilen sich auf vier Bereiche. Die Höhenangaben sind Richtwerte und werden an Ihre Körpergröße angepasst, nicht an eine Tabelle.
|
Bereich |
Typische Maßnahmen |
Nutzen |
|---|---|---|
|
Küche |
Arbeitshöhe nach Ellbogenhöhe, Auszüge, erhöhter Backofen |
weniger Bücken, kann den Rücken entlasten |
|
Bad & Vorraum |
bodengleiche Dusche, Haltegriffe, Sitzgelegenheit |
sicherer Einstieg, bequemeres Anziehen |
|
Schlafzimmer |
angenehme Betthöhe, verstellbares Bettsystem |
leichteres Aufstehen |
|
Wege & Licht |
wenig Schwellen, blendfreie Beleuchtung |
sichere Wege, auch nachts |
Auffällig ist, wie wenig davon nach Umbau aussieht. Es sind Planungsentscheidungen, keine sichtbaren Hilfsmittel. Die Reihenfolge in der Tabelle ist dabei kein Zufall: Küche und Bad bringen im Alltag am meisten, weil dort täglich gegriffen, gebückt und gestanden wird.
Küche und Bad: die Räume mit dem größten Effekt
Küche
In der Küche entscheidet die Ergonomie. Eine an Sie angepasste Arbeitshöhe kann den Rücken bei jeder Tätigkeit entlasten; als Faustregel nennt die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche eine Arbeitsfläche etwa 10 bis 15 cm unter der Ellbogenhöhe. Backofen und Geschirrspüler erhöht eingebaut ersparen das tiefe Bücken, Vollauszüge holen den Schrankinhalt nach vorn, statt Sie in dunkle Ecken greifen zu lassen. Leicht bedienbare Beschläge helfen, wenn die Handkraft nachlässt.
Wer im Sitzen arbeiten möchte, braucht einen unterfahrbaren Bereich an Spüle oder Arbeitsfläche; als Richtwert gelten etwa 65 bis 70 cm Höhe und mindestens 50 cm Tiefe, damit die Knie Platz haben. Bei einer Kundin in St. Pölten hat genau diese Höhenfrage den Ausschlag für den Zeitpunkt gegeben.
Bad und Vorraum
Im Bad und im Eingangsbereich geht es um Sicherheit und Bequemlichkeit. Eine bodengleiche Dusche nimmt die Stolperkante, stabile Haltegriffe geben Halt, ein unterfahrbares Waschbecken lässt sich auch im Sitzen nutzen. Möbel mit gut erreichbaren Fächern ersparen Bücken und Strecken, eine Sitzgelegenheit im Vorraum erleichtert das Schuheanziehen. Bauliche Arbeiten wie die bodengleiche Dusche führen wir nicht selbst aus; wir stimmen sie mit den beteiligten Gewerken ab und koordinieren sie für Sie. Was an Möbeln dazugehört, sehen Sie unter Vorraum & Bad.
Schlafzimmer, Wege und Licht
Schlafzimmer
Im Schlafzimmer zählt vor allem, bequem ins Bett und wieder heraus zu kommen. Eine angenehme Liegehöhe erleichtert das Aufstehen und schont die Knie. Elektrisch verstellbare Bettsysteme heben Kopf- und Fußbereich auf Knopfdruck, was das Lesen bequemer und das Aufstehen leichter macht, ohne dass das Bett nach Krankenzimmer aussieht. Ein Kleiderschrank mit Auszügen und Kleiderlift ersetzt die oberen Fächer, an die man ohnehin schlecht herankommt. Ebenso zählt, dass das Bett von drei Seiten frei zugänglich bleibt, weil das Beziehen und der Ein- und Ausstieg dadurch leichter fallen. Wie ein verstellbares Tellersystem technisch arbeitet, steht im Beitrag zum RELAX 2000.
Wege, Türen und Licht
Barrierearm endet nicht beim Möbel, die Wege dazwischen gehören dazu. Lose Teppichkanten und hohe Türschwellen lassen sich entschärfen, breitere Durchgänge helfen, falls später einmal ein Rollator im Spiel ist. Blendfreies Licht macht den Unterschied, besonders nachts auf dem Weg ins Bad; ein Bewegungsmelder mit gedämpftem Orientierungslicht ist eine kleine Maßnahme, die nachts viel Sicherheit geben kann. Auch die Schrankinnenbeleuchtung gehört hierher: Wer in einen tiefen, unbeleuchteten Schrank greift, tastet; wer sieht, was er greift, braucht keine zweite Hand zum Abstützen. In der Planung kostet ein Schrankleuchtenband wenig Aufwand, nachträglich bedeutet es eine zusätzliche Zuleitung.
Wo unsere Planung endet, und was Sie selbst prüfen sollten
Zu einer belastbaren Beratung gehört, die Grenzen zu benennen. Wir planen barrierearm, nicht barrierefrei nach Norm. Wer feste Normmaße oder Pflegehilfsmittel braucht, ist bei spezialisierten Anbietern besser aufgehoben. Ein typischer Denkfehler liegt aber woanders: das Thema aufzuschieben, bis es dringend wird. Der zweite Denkfehler ist das Gegenteil, nämlich alles auf einmal umbauen zu wollen. Meist genügen wenige Maßnahmen an den Stellen, an denen der Alltag tatsächlich hakt, und der Rest kann bleiben, wie er ist. Wenn Sie unsicher sind, wo Sie ansetzen sollen: Beginnen Sie dort, wo Sie sich täglich bücken, nicht dort, wo es am ehesten nach Umbau aussieht.
Wie wir das Thema in eine normale Planung einbauen
Wir behandeln barrierearmes Wohnen nicht als eigenes Projekt. Es läuft in der gewöhnlichen Planung mit, meist ohne dass das Wort überhaupt fällt. Wichtiger als jeder Katalog ist der Termin vor Ort, weil sich Arbeitshöhen, Wege und Lichtverhältnisse nur dort ehrlich beurteilen lassen. Gemessen wird an Ihnen, nicht an einer Norm.
Aus der Praxis
Prüfen Sie jede Planungsentscheidung mit zwei Fragen: Lässt sich das bequem und ohne Bücken bedienen, und ist es in zehn oder zwanzig Jahren noch genauso gut nutzbar? Wenn beides zutrifft, ist es die richtige Wahl. Ein einfacher Test für zu Hause: Stellen Sie sich an Ihre Arbeitsplatte und legen Sie die Handflächen flach auf. Müssen Sie dafür die Schultern heben, ist die Platte für Sie zu hoch.
So haben wir das bei Frau A. in St. Pölten geplant
Frau A. ließ ihr Bad sanieren und wollte die Küche im selben Zug erneuern. Von Barrierefreiheit war zunächst keine Rede, es ging ihr um Optik und Stauraum. Im Gespräch kam die Überlegung auf, ob sich die Planung so anlegen lässt, dass sie auch in zwanzig Jahren noch trägt. Genau dafür war der Zeitpunkt günstig, weil Möbel, Anschlüsse und Bodenbelag ohnehin neu gemacht wurden.
- Ausgangslage: Bad- und Küchenerneuerung stand an, ausgelöst durch die Badsanierung, nicht durch eine Einschränkung.
- Herausforderung: Komfort für später einplanen, ohne dass die Küche danach anders aussieht als gewünscht.
- Umsetzung: Arbeitshöhe auf ihre Ellbogenhöhe abgestimmt statt auf das Standardmaß, Backofen auf Griffhöhe gesetzt, alle Unterschränke mit Vollauszügen geplant; die bodengleiche Dusche im Bad mit Installateur und Fliesenleger abgestimmt.
- Warum diese Lösung: Diese Entscheidungen kosten in der Neuplanung nur eine Festlegung, im Nachhinein dagegen neue Korpusse und einen neuen Fliesenanschluss.
Die Küche unterscheidet sich optisch in nichts von einer gewöhnlichen Planung, sie ist lediglich auf die Person abgestimmt, die täglich darin steht.
So planen Sie barrierearm
Vier Schritte reichen für den Anfang. Sie brauchen keinen fertigen Plan, nur einen ehrlichen Blick auf den eigenen Alltag. Was heute schon unbequem ist, wird mit den Jahren selten leichter.
- Räume durchgehen: Wo bücken oder strecken Sie sich am häufigsten? Dort zuerst ansetzen.
- Höhen anpassen: Arbeitsplatte, Backofen und Bett an Ihrer Körpergröße ausrichten, nicht an Standardmaßen.
- Erreichbarkeit prüfen: Auszüge statt tiefer Schränke, griffige Beschläge, nichts ganz oben oder ganz unten.
- Zeitpunkt nutzen: Steht ohnehin eine Renovierung an, ist das der günstigste Moment für diese Festlegungen.
Der Fall von Frau A. zeigt eine übertragbare Erkenntnis: Der Auslöser für barrierearme Planung muss keine Einschränkung sein. Häufig ist es schlicht eine anstehende Renovierung, und wer den Moment nutzt, trifft dieselben Entscheidungen einmal statt zweimal. Welche das bei Ihnen sind, zeigt sich meist in den ersten Minuten vor Ort, weil man dort sieht, wo Sie sich täglich strecken oder bücken.
Was wir in der Küche umsetzen können, sehen Sie unter Küchen.
Einblicke in unsere Projekte

Häufige Fragen zum barrierearmen Wohnen
Informationen zur Redaktion dieses Blogs
Redaktion: Verfasst durch das Möbelstudio Gimpl. Mit Unterstützung von KI recherchiert. Fachlich geprüft von Gerald Gimpl, Tischlermeister und Geschäftsführer, seit 1998 in St. Pölten.
Bildrechte: Wir verwenden ausschließlich selbstgemachte Fotos, Fotos unserer Partnerunternehmen (Verwendungsrechte liegen vor) oder gekennzeichnete KI-generierte Bilder.



