Wie Sie in einer kleinen Wohnung Stauraum gewinnen, ohne zusätzliche Bodenfläche zu belegen, welche Möbel zwei Aufgaben übernehmen und wie der Raum trotzdem luftig wirkt.

7–10 Minuten
Kleine Wohnung clever einrichten Stauraum, der nach Maß passt

Direktantwort

In einer kleinen Wohnung gewinnen Sie Platz vor allem dort, wo kein zusätzlicher Boden nötig ist: in der Höhe bis zur Decke, unter dem Bett und in Nischen, die Standardmöbel frei lassen. Dazu kommen Möbel mit Doppelfunktion, etwa ein Bett mit Schubladen, ein Schlafsofa oder eine Bank mit Stauraum. Helle Farben, Spiegel und schlanke Möbel mit sichtbaren Füßen lassen den Raum größer wirken. Mehr einzelne Möbel helfen dagegen selten, sie stellen den Raum zu.

Kleine Wohnungen haben ihren Charme, aber auch ihre Tücke: Alles muss irgendwo hin, und schnell wirkt es voll. Der Reflex, einfach mehr Schränke zu kaufen, macht es oft schlimmer, weil sie den Boden belegen, der den Raum offen hält. Der bessere Weg ist, den vorhandenen Platz klüger zu nutzen. Dieser Beitrag zeigt die wirksamsten Ideen und wo sich Maßarbeit besonders lohnt.

Warum kleine Räume andere Regeln brauchen

In einer kleinen Wohnung gelten andere Prioritäten als in einem großen Haus. Grundfläche ist knapp, also muss die Höhe mitarbeiten. Der Raum über Augenhöhe bleibt in vielen Wohnungen ungenutzt, dabei steckt dort viel Stauraum, den ein Schrank oder Regal bis zur Decke erschließt.

Der zweite Grundsatz ist die Doppelfunktion. Jedes Möbel, das nur eine Aufgabe erfüllt, kostet in einer kleinen Wohnung Fläche, die ein Möbel mit zwei Aufgaben spart. Ein Bett mit Stauraum, ein Sofa, das zum Bett wird, eine Bank, die zugleich Truhe ist: Solche Stücke ersetzen ein zweites Möbel.

Der dritte Punkt ist die Wirkung. Ein kleiner Raum darf nicht vollgestellt aussehen, sonst wirkt er noch enger. Ein paar bewusst freie Flächen lassen ihn atmen und machen den vorhandenen Stauraum umso wirksamer. Es geht nicht darum, überall etwas hinzustellen, sondern das Richtige an die richtige Stelle.

Ideen im Überblick

Die wirksamsten Lösungen lassen sich in wenigen Prinzipien zusammenfassen. Die Tabelle zeigt, was sie bringen und ob sie zusätzliche Bodenfläche kosten.

Idee

Nutzen

Kostet Bodenfläche?

Bis zur Decke bauen

erschließt Raum über Augenhöhe

nein

Stauraum unter dem Bett

Platz für Bettwäsche und Saisonsachen

nein

Maßmöbel für Nischen und Ecken

nutzt Winkel, die Standardware frei lässt

kaum

Möbel mit Doppelfunktion

ein Möbel statt zwei

spart Fläche

Raumteiler mit Regalfunktion

trennt Bereiche und bietet Stauraum

ja, wenig

Zusätzliche Einzelmöbel

schnell gekauft

ja, viel

Zwischenfazit: Der beste Stauraum ist der, der keine zusätzliche Grundfläche kostet. Zuerst Höhe, Bett und Nischen ausschöpfen, erst danach über weitere Möbel nachdenken.

Stauraum ohne zusätzliche Grundfläche

In die Höhe bauen

Der größte ungenutzte Stauraum in kleinen Wohnungen liegt oben. Wo ein üblicher Schrank bei rund 2,20 m endet, bleibt bei 2,60 m Raumhöhe ein 40 cm hoher Streifen, im Altbau mit 3 m und mehr deutlich mehr. Ein Maßmöbel schließt bündig an die Decke an und macht daraus Stauraum über die ganze Wandbreite. Oben landet, was selten gebraucht wird, Koffer oder Wintersachen, für die oberste Zone genügt ein Tritt. In einer Wiener Altbauwohnung lag genau dort der fehlende Stauraum.

Stauraum unter dem Bett

Die Fläche unter dem Bett wird oft unterschätzt. Ein Bett mit Bettkasten oder Schubladen nimmt Bettwäsche, Kleidung und Saisonsachen auf, ohne zusätzliche Grundfläche. Schubladen sind praktischer als ein Kasten unter der Liegefläche, wenn Sie täglich darauf zugreifen; der Kasten fasst mehr, verlangt aber, dass Matratze und Rahmen hochgeklappt werden. Ein etwas höheres Bett schafft unter dem Rahmen mehr Platz für Schubladen, die Einstiegshöhe sollte aber bequem bleiben.

Maßmöbel für Nischen und Ecken

Kleine Wohnungen stecken voller schwieriger Winkel: die schmale Nische neben dem Fenster, die Ecke hinter der Tür, der schlauchförmige Flur. Standardmöbel lassen dort Lücken, Maßarbeit füllt sie. Ein passgenaues Regal in der Nische, ein Eckschrank, der den toten Winkel nutzt, eine Ablage über der Tür: Diese Zentimeter machen in der Summe den Unterschied. Wann Maßarbeit sich lohnt und wann ein Fertigmöbel reicht, steht im Beitrag Möbel kaufen oder maßgefertigt?

Doppelfunktion und optische Weite

Möbel mit zwei Aufgaben

Ein Möbel, zwei Aufgaben: Das ist in kleinen Wohnungen das wirksamste Prinzip. Ein Schlafsofa macht aus dem Wohnzimmer nachts ein Schlafzimmer, eine Bank am Esstisch bietet Sitzplatz und Stauraum, ein Hocker mit Deckel ist Sitzgelegenheit, Beistelltisch und Kiste zugleich. Wer solche Stücke gezielt wählt, hält die Wohnung flexibel. Wichtig ist, ehrlich zu prüfen, ob die zweite Funktion auch genutzt wird: Ein Schlafsofa, das jeden Abend aufgebaut werden muss, ersetzt kein Bett auf Dauer.

Optische Tricks für mehr Weite

Helle Wände und Fronten lassen einen Raum größer erscheinen, ein großer Spiegel bringt Licht und Tiefe. Schlanke Möbel mit sichtbaren Füßen wirken leichter, weil der Boden darunter durchläuft. Fronten im Farbton der Wand lassen auch einen raumhohen Schrank zurücktreten. Und ein Raumteiler mit Regalfunktion trennt Bereiche, ohne eine massive Wand zu ziehen.

Typische Fehler in kleinen Wohnungen

Ein typischer Fehler ist, zu viele einzelne Möbel zu kaufen. Jedes für sich wirkt klein, zusammen stellen sie den Raum zu und zerstückeln ihn. Besser sind wenige, gut geplante Stücke, die viel können und zusammenpassen.

Ein zweiter Fehler ist, die Höhe zu ignorieren und Kartons auf den Schrank zu stapeln, statt den Platz zu schließen. Drittens werden kleine Räume oft zu dunkel und mit wuchtigen Möbeln eingerichtet, das lässt sie noch kleiner wirken. Und viertens wird zu viel offen gelagert. Offene Regale voller Dinge wirken unruhig und lassen den Raum enger erscheinen. Setzen Sie auf geschlossene Fronten für den Alltagskram und zeigen Sie offen nur wenige Stücke.

Ein fünfter Fehler zeigt sich erst im Alltag: Möbel werden nach ihrer Grundfläche geplant, ohne Türen und Auszüge mitzudenken. In kleinen Räumen schlägt dann die Schranktür ans Bett oder die Schublade an den Tisch.

Wie wir kleine Wohnungen planen

In kleinen Wohnungen planen wir vom schwierigsten Punkt aus, nicht vom schönsten. Zuerst messen wir die Raumhöhe, die Nischen und die Wände ohne Tür oder Fenster, denn dort steckt der Stauraum, der keinen Boden kostet. Erst danach geht es um Möbel, die zusätzlich in den Raum kommen.

Aus der Praxis

Ein einfacher Test vorab: Gehen Sie durch die Wohnung und notieren Sie jede Fläche über Ihren Schränken und Regalen, die bis zur Decke frei bleibt, mit Breite und Höhe. Rechnen Sie die Flächen zusammen. Diese Liste ist meist länger als gedacht und zeigt, wo Maßarbeit am meisten bringt.

Diese Lösung haben wir für Frau B. in Wien gewählt

Frau B. bewohnt in Wien eine Altbau-Garçonnière, ein Zimmer mit Kochnische und Bad. Die Raumhöhe beträgt 3,20 m, ihr bisheriger Kleiderschrank war 2,20 m hoch, darauf stapelten sich Kartons. Wohnen, Schlafen und Arbeiten teilen sich denselben Raum, eine zusätzliche Kommode hätte den Weg zum Fenster verstellt. Bücher, Koffer und Wintersachen hatten keinen festen Platz. Die Wand gegenüber dem Fenster war die einzige durchgehende ohne Tür.

  • Ausgangslage: Ein-Raum-Wohnung im Altbau, 3,20 m Raumhöhe, Kleiderschrank 2,20 m hoch mit Kartons darauf.
  • Herausforderung: mehr Stauraum, ohne zusätzliche Möbel auf die knappe Bodenfläche zu stellen.
  • Umsetzung: Schrankwand an der durchgehenden Wand bis zur Decke, oben geschlossene Fächer für Koffer und Saisonsachen, Fronten im Farbton der Wand; dazu ein Bett mit Schubladen für Bettwäsche.
  • Warum diese Lösung: Der Meter zwischen alter Schrankoberkante und Decke war vorhanden, wurde aber nur als Ablage für Kartons genutzt.

Der Stauraum liegt damit dort, wo vorher Kartons standen, und auf dem Boden kommt kein zusätzliches Möbel dazu.

So gewinnen Sie Platz

Fünf Schritte holen mehr aus wenig Fläche:

  1. Höhe erfassen: Messen Sie, wie viel Raum über Ihren Möbeln bis zur Decke frei ist.
  2. Nischen aufnehmen: Ecken, Winkel und schmale Wände notieren, die Standardmöbel frei lassen.
  3. Unter dem Bett einplanen: Schubladen für Tägliches, Bettkasten für Saisonales.
  4. Doppelnutzen suchen: Wo kann ein Möbel zwei Aufgaben übernehmen, die Sie tatsächlich nutzen?
  5. Luftig halten: helle Fronten in Wandfarbe, ein Spiegel, schlanke Möbel mit Füßen.

Aus dem Fall von Frau B. folgt eine Regel für jede kleine Wohnung: Schöpfen Sie zuerst den Stauraum aus, der keinen Boden kostet, also Höhe, Bett und Nischen, und kaufen Sie erst danach weitere Möbel. Meist braucht es dann weniger, als man gedacht hat. Was wir an Sonderlösungen bauen, sehen Sie unter Sonderanfertigungen; für den schmalen Eingangsbereich gibt es einen eigenen Beitrag zu Garderobe und Vorraum.

Einblicke in unsere Projekte

Portrait Gerald Gimpl

Häufige Fragen zu kleinen Wohnungen

Das hängt davon ab, wie lange Sie bleiben. Ein Einbaumöbel für eine genau vermessene Nische passt selten in die nächste Wohnung. Bleiben Sie viele Jahre, rechnet sich Maßarbeit eher; planen Sie bald umzuziehen, sind frei stehende Möbel, die man mitnimmt, oft die bessere Wahl. Sprechen Sie Einbauten außerdem mit Ihrem Vermieter ab.

Vor allem Stücke mit Doppelnutzen: Bett mit Schubladen, Schlafsofa, Bank oder Hocker mit Stauraum, Regal mit Arbeitsplatz. Dazu schlanke Möbel mit sichtbaren Füßen, die leichter wirken, und Schränke bis zur Decke statt mehrerer halbhoher Möbel nebeneinander. In sehr kleinen Räumen kann ein Klapptisch an der Wand einen festen Esstisch ersetzen.

Helle Wände und Fronten, ein großer Spiegel und schlanke Möbel mit Füßen schaffen optische Weite. Fronten im Farbton der Wand lassen große Schränke zurücktreten. Ein Raumteiler mit Regalfunktion trennt Bereiche, ohne den Raum zu verkleinern. Wenige, ruhige Farben helfen, weil sie den Blick nicht zerteilen.

Informationen zur Redaktion dieses Blogs

Redaktion: Verfasst durch das Möbelstudio Gimpl. Mit Unterstützung von KI recherchiert. Fachlich geprüft von Gerald Gimpl, Tischlermeister und Geschäftsführer, seit 1998 in St. Pölten.
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